In einer Marathonsitzung, die erst um 0.30 Uhr zu Ende ging, hat der Gemeinderat gestern nur drei Punkte der Tagesordnung behandelt. Diese hatten es aber in sich. Neben einer Debatte, die sich zum Punkt eins – Genehmigung des Protokolls – ergeben hatte, kamen die Vorstellung des Tourismuskonzepts für Brixen und die Plose und die Frage des Standortes für den notwendigen Bau der Bibliothek zur Debatte.

Wohin soll Brixens Tourismus sich entwickeln? Diese Frage wurde gestern im Gemeinderat diskutiert
Nachdem die Tonaufzeichnungsanlage bei der letzten Gemeinderatssitzung bereits zum vierten Mal nicht funktioniert hatte, forderten die Vertreter der Opposition von Generalsekretär Fischnaller, ein schriftliches Protokoll der Sitzung vom 26. Februar nachzureichen, da die Verfassung eines reines Ergebnisprotokolls, das lediglich die Namen der Anwesenden und die Ergebnisse der Abstimmungen festhalte, den Verlauf der Sitzungen nicht wiedergebe. Auch für die gestrige Sitzung wurde die Verfassung eines detaillierten Protokolls verlangt, da man sich offenkundig nicht auf die Funktion der Tonaufzeichnungsanlage verlassen könne. Diese Forderung wurde von SVP-Fraktionssprecher Heinrich Ferretti mit der Bemerkung kommentiert, die Opposition könne sich das Protokoll ja selber schreiben.
Vorstellung des Tourismuskonzepts Brixen/Plose
Auf Punkt zwei der Tagesordnung stand die Vorstellung des Tourismuskonzeptes für Brixen und die Plose. Caroline Cerar vom Malik Management Zentrum St. Gallen, das mit der Erarbeitung einer Studie zum Tourismus im Raum Brixen/Plose beauftragt wurde und Peter Haimayer, der als Leiter einer Fachgruppe für die Erstellung des Masterplanes eingesetzt wurde, berichteten profund und detailreich über die Entwicklung des Tourismus in Brixen, seinen aktuellen Zustand und die Bemühungen zur Belebung dieses wichtigen Wirtschaftszweiges.
Im Gemeinderat wurde gestern über das Tourismuskonzept für Brixen/Plose gesprochen. (Zum Herunterladen der Präsentation das Bild anklicken)
Ausgangslage nicht rosig
Aus den Vorträgen der beiden ExpertInnen ging klar hervor, dass es um den Tourismus in Brixen zur Zeit nicht sehr gut bestellt sei: Die Auslastung der Betriebe stagniert, das Preisniveau ist verhältnismäßig niedrig und die Auslastung von nachgeordneten Infrastrukturen – wie beispielsweise der Plose – lasse stark zu wünschen übrig.
Vor diesem Hintergrund habe man schon im Vorjahr damit begonnen, intensive Überlegungen zur Belebung des Tourismus im östlichen Mittelgebirge (St. Andrä, Klerant, Mellaun) und der besseren Auslastung der Plose anzustellen. Das Ergebnis war ein breit gestreutes Maßnahmenbündel, das vor allem zum Ziel hatte, die Plose stärker in den Mittelpunkt der Freizeitinteressen von Einheimischen und Gästen zu rücken. Dabei soll im Sommer wie im Winter ein breiteres Angebot bereitgehalten und vor allem Familien angesprochen werden. Neben Maßnahmen auf der Plose und besserer Kommunikation kam es dabei auch zur Einführung der „Brixen mobil + Card“, die im Vorjahr zu einer spürbaren Belebung der Plose geführt hat und auch im heurigen Sommer wieder angeboten wird, und zwar zum Preis von 18.- Euro.
Caroline Cerar berichtete von den Ergebnissen der vier Projektgruppen, die im Zuge der Malik-Studie eingerichtet wurden und die sich mit den Aspekten Tourismus, Mobilität, Infrastruktur und Marketing beschäftigen. Das Auto soll als wichtigster Mobilitätsträger zurückgedrängt werden, eine Seilbahn auf die Plose, Citybusse, Hotelshuttles und attraktive Fusswegverbindungen sollen ihren Beitrag dazu leisten.
Mit Vorsicht zu genießen: Projektionen zu Mitarbeiterbedarf und Wertschöpfung neuer Hotelbauten
Auswirkungen der geplanten Hotelbauten
Peter Haimayer ging vor allem auf die geplanten Hotelbauten ein und zeigte verschiedene Szenarien auf, von einem geringen Ausbau um rund 136 Betten, über eine mittlere Ausbaustufe mit rund 356 Betten bis hin zu einem starken Ausbau mit 1.054 Betten. Haimayer versuchte zu prognostizieren, welche gesamtwirtschaftlichen Effekte die entsprechenden Investitionen mit sich bringen würden und stellte die Potenziale für die Entwicklung des Mittelgebirges und der Plose als rosig dar.
Drei neue Hotels in St. Andrä
Im Anschluss an die Ausführungen der Experten stellte Bürgermeister Pürgstaller die geplanten Hotelbaumaßnahmen in St. Andrä vor. Dort gibt es Interessenten für drei große Hotels. Unmittelbar an der Talstation der Plose-Seilbahn will das Reiseunternehmen „Tourdolomit“ (Athesia) ein großes Kongress- und Wellnesshotel errichten. In der Nähe der Sportzone von St. Andrä wollen die Wellcome GmbH (Markus Huber) und die Fa. Pantex Center (Lodenwirt Vintl) zwei Hotels mit je rund 150 Betten errichten, während die Falkensteiner Gruppe Interesse daran bekundet hat, im Stadtgebiet ein Kongresshotel mit 300 Betten zu bauen.

Die drei neuen Hotelzonen für drei Hotels mit rund 500 Betten in St. Andrä – ein erheblicher Eingriff in Landschaft und Sozialgefüge. Die roten Felder sind die Hotelzonen. Zur Orientierung: die rosarote Fläche ist die Talstation der Plose-Bahn, die grüne Fläche links ist die Sportzone von St. Andrä
Auf das Hotel der Gebrüder Sanoner in den Kojawiesen ging der Bürgermeister nicht ein. Die Landesregierung hatte in ihrer Sitzung vom letzten Monat grünes Licht dafür gegeben.
In der Debatte begrüßten die Oppositionsvertreter die Tatsache, dass endlich systematisch an die Entwicklung des Tourismus herangegangen werde, verwiesen aber auch auf einige Mängel des Tourismuskonzeptes.
Insiderwissen für Privatgeschäfte missbraucht?
So wollte Walter Blaas (Freiheitliche) wissen, was die Studien von Malik und Haimayer kosten (Antwort: 45.000.-, bzw. 10.000.- Euro) und gab zu bedenken, dass es zu belastenden Zusatzeinrichtungen kommen dürfte. Dann ließ er eine Bombe platzen: Mit Zahlen und Daten an der Hand belegte Blaas seine Vermutung, dass Personen aus dem Verwandtschafts- und Nahbereich von Stadtrat Franz Stockner im Zuge verschiedener Ausweisungen von Bauland und Hotelzonen einen enormen Spekulationsgewinn erzielt hätten, der vor allem darauf zurückzuführen sei, dass sie Informationen hatten, über die andere nicht verfügen konnten. Aus einem Grundstückskauf im Wert von rund 100.000.- Euro wurde so innerhalb von 26 Monaten ein Verkaufswert von über 5 Millionen Euro.
Warnung vor Goldgräberstimmung
Markus Lobis (Grüne Bürgerliste/Alternativa Ecosociale) kritisierte den Ausschluss ökosozialer Kräfte aus den Kommissionen und Arbeitsgruppen des Masterplans, warnte in zwei längeren Debattenbeiträgen vor einer künstlich hochgeputschten Goldgräberstimmung und mahnte an, dass im Konzept und dessen Vorstellung der Aspekt der Kultur nicht angesprochen wurde, der der wichtigste Bestimmungsgrund für Brixens Tourismusnachfrage sein könnte. Auch der Fahrradtourismus sei nicht angesprochen worden: Brixen könnte als zentrale Etappe auf der Route München-Gardasee stark vom expandierenden Fahrradtourismus profitieren. Im Tourismus sei, so Lobis, wie in allen Bereichen der Wirtschaft eine Fortschreibung der bisherigen Modalitäten nicht mehr zulässig. Es sei viel mehr ein Paradigmenwechsel in Richtung Ökologie und Nachhaltigkeit notwendig. Während dieser Ansatz beim Sanoner-Projekt erkennbar sei, kann bei den anderen Investoren nicht davon ausgegangen werden. Lobis bezeichnete das Sanoner-Konzept als aussichtsreich, lehnte den Standort in den Kojawiesen aber weiterhin ab.
Seilbahn nach St. Andrä – nichts neues…
Gregor Beikircher verwies darauf, dass er schon 1984 einen Vorschlag für eine Seilbahn nach St. Andrä vorgelegt hatte und kritisierte die Verwendung von Anglizismen. Auch Beikircher warnte davor, sich von der Errichtung von Betten zu viel zu erwarten, denn Betten, so Beikircher, fahren nicht auf die Plose. Darüber hinaus forderte der Bürgerlisten-Gemeinderat, nicht nur das Mittelgebirge und die Plose zu entwickeln, sondern die ganze Gemeinde und die Nachbargemeinden mit einzubinden.
Daniela Mosconi (Grüne Bürgerliste/Alternativa Ecosociale) verlangte, dass sich die Touristiker mehr damit beschäftigen sollten, welche Gäste-Zielgruppen angesprochen werden sollen und mit welcher Persönlichkeit sich Brixen nach außen darstellt und betonte, dass mehr Nachdruck auf eine Entwicklung in Richtung Öko-Tourismus gelegt werden müsse.
Wenig Niederschlag und schlechte Luft
Klaus Dissinger (Grüne Bürgerliste/Alternativa Ecosociale) betonte die Rolle des Tourismus als wichtiger Wirtschaftssektor und verwies auf Fakten, die Brixen als Wintersportort in Frage stellen. So sei es beispielsweise erwiesen, dass der Großraum Brixen zu den niederschlagsärmsten Gegenden Südtirols gehöre, vor allem im Winter. Dissinger verwies auch auf die schlechten Luftwerte im Brixner Talkessel, die auch das Mittelgebirge beträfen und definierte den Qualitätsgast als einen Menschen, der sich mit den Menschen und der Kultur der bereisten Region beschäftigt, unabhängig vom Geld, das er dabei ausgibt.
Elda Letrari (Grüne Bürgerliste/Alternativa Ecosociale) regte an, die Entwicklung nicht zu überstürzen und über einen mittelfristig gestalteten Ausbau der Tourismus-Infrastruktur nachzudenken.
Nach abschließenden Statements der Experten, die von Gemeinderatspräsident Dejaco ausdrücklich darauf hingewiesen wurden, nicht auf die politischen Wertungen einzugehen, und einigen lobenden und zustimmenden Stellungnahmen der Gemeinderäte Ferretti , Gasser und Insam (alle SVP) wurde der Punkt ohne Abstimmung abgeschlossen.
Die Debatte zum Standort der Bibliothek wird in einen eigenen Bericht behandelt, der in Kürze auf „OMNIBRIX online“ erscheinen wird.











[...] … wird Wohnbauzone Die Wohnbauzone betrifft nur einen kleinen Teil des Grundstück der Damen Fischnaller und Fischnaller. Rund 13.000 Quadratmeter sind noch übrig. Im Zuge der plötzlich hochschäumenden Tourismusentwicklung in St. Andrä und im Brixner Mittelgebirge gibt es auch dafür Verwendung: Da sich Investoren in Brixen neuerdings die Ausweisung von Hotelzonen aussuchen dürfen – nachdem in den Kojawiesen alle urbanistischen Dämme gebrochen sind – will die Fa. Pantex Center GmbH (Lodenwirt Vintl) dort ein Hotel mit 150 Better errichten (siehe dazu auch den Artikel von gestern auf OMNIBRIX online). [...]
[...] vom 17. März wurde nicht nur engagiert über die Zukunft des Tourismus diskutiert (siehe dazu den eigenen Bericht), es kam auch ein weitere heißes Brixner Eisen auf den Tisch: Wo soll die neu zu errichtende [...]