Am Dienstag wird beim Oberwirt in Feldthurns der Film „ohne wenn und aber“ gezeigt. Silvia Bacca, Christoph Hofer und Manfred Volgger ist mit dem 25-minütigen Film ein eindringliches Dokument gelungen, das sich vor allem mit der Problematik des Wassers beschäftigt: Wenn im Berg herumgebohrt wird, wird der Wasserhaushalt massiv beeinflusst. Quellen, Wasserläufe, Seen können verschwinden, der Grundwasserspiegel sich verändern – mit einem Wort: Die Eingriffe sind gewaltig und im Regelfall irreversibel.
Die Wipptaler Filmemacher waren im Mugello und haben dort mit betroffenen Bürgern und mit Fachleuten gesprochen. Im gesamten Hügel- und Berggebiet des Mugello, der zwischen Bologna und Florenz liegt und wo in den letzten Jahren Tunnels für die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen den beiden Orten gebaut wurden, sind fast alle Quellen, Brunnen und Bäche verschwunden.
Das Wasser sammelt sich jetzt in den Tunnelröhren und wird einen neu angelegten Stausee geleitet, von wo aus es von einer mittlerweile privatisierten Gesellschaft an die Bauern in der Chianti-Gegend verkauft wird. Die BewohnerInnen des Hügelgebiets müssen nun mit Wasser versorgt werden, dass auf 600 Meter hochgepumpt wird und nun sehr viel teurer bezahlt werden muss. (siehe dazu auch die homepage der Vereinigung „IDRA“ aus der Toskana).

Hier verlief mal ein munterer Bach – der Carlone-Bach im Mugello-Gebiet
Auch im Passeiertal wird momentan gegraben. Die Gesellschaft ENERPASS errichtet dort ein großes Elektrizitätswerk, das vom Wasser einer Passer-Ableitung von Moos bis St. Leonhard angetrieben wird. Obwohl ursprünglich nahezu ausgeschlossen, hat es auch bei diesem Stollenbau größere Wassereinbrüche gegeben und bisher sind fünfzehn Quellen versiegt, wie der Sohn eines der geschädigten Bauern im Film berichtete. Sogar Quellen, die bis zu 400 Meter höher liegen als das Stollenniveau sind verschwunden, weil sich die Druckverhältnisse im Berg durch den künstlich geschaffenen Abfluss großer Wassermengen verändert haben.

Im Passeiertal wird gegraben – mindestens fünfzehn Quellen sind schon versiegt
Im Film werden den unter die Haut gehenden Bildern immer wieder Aussagen von Walter Huber entgegen gesetzt, der die BBT-Beobachtungsstelle leitet. Man wird den Eindruck nicht los, dass Huber bewußt beschönigende und verniedlichende Aussagen macht und wenn man die banalen und aussagelosen Hochglanzbroschüren betrachtet, die im Sommer 2007 in großer Auflage und mit einem väterlichen Durnwalder-Brief an die Haushalte geschickt wurde, nimmt das Vertrauen in die offenkundig parteiische BBT-Beobachtungsstelle nicht gerade zu. Auch Martin Ausserdorfer, der die Info-Stelle in Franzensfeste leitet, konnte weder im Film noch bei der auf die Vorführung folgende Diskussion im Vereinshaus von Wiesen überzeugen.
„Plötzlich war der Putzenbach weg“
Im Film kommt Martin Schweiggl zu Wort, der oberhalb von St. Jakob bei Bozen einen Bauernhof besitzt. Dieser Bauernhof hatte, wie andere Höfe in der Gegend, eine eigene Quelle und die Grundstücke wurden mit dem Wasser aus dem Putzenbach bewässert. Die Quellen sind versiegt und auch der Putzenbach ist trocken, seit vor einigen Jahren der Tunnel für die Umfahrung von St. Jakob errichtet wurde. Schweiggl, bis vor kurzem Direktor des Amtes für Landschaftsökologie, war selbst an der Umweltverträglichkeitsstudie für das Tunnelvorhaben beteiligt und ihm wurde von den Technikern glaubhaft versichert, dass die geologische Situation es praktisch ausschließe, dass der Wasserhaushalt im Gebiet aus dem Lot kommen könnte. Wenn schon diese geologisch offenkundig unkomplizierte Situation zu diesen Auswirkungen führe, so Schweiggl, was könne dann alles bei der BBT-Trasse passieren, die von führenden Geologen als geologisch hochkomplex eingestuft wird.
Schweiggl wußte auch zu berichten, dass die Bauern, die vom Ausbleiben des Wassers betroffen sind, in der Zwischenzeit fast eine halbe Million Euro investieren mussten, um Wasser herbeizuschaffen. Entschädigung hätten sie bisher keine erhalten und Schweiggl wünschte den zukünftig vom BBT betroffenen Geschädigten mehr Glück als es den Bauern oberhalb von St. Jakob beschieden sei.
(M)ein Kommentar
Wem gehört das Wasser?
In dieser Frage gibt es ein zentrales Problem: Südtiroler Politiker und Beamte haben in den letzten Jahren mit auffälliger Insistenz behauptet, das Wasser gehöre dem Land. Dabei kommt ein Eigentumsbegriff zum Tragen, der die Verantwortung und Nachhaltigkeitsüberlegungen ausblendet. Südtirols Politiker denken, sie könnten mit dieser existenziell wichtigen Ressource schalten und walten, wie es ihnen gerade in den Sinn kommt. Dabei denke ich, dass „das Land“ unser Wasser bestenfalls verwaltet und dabei die Interessen aller im Auge behalten muss. Ist das nicht mehr der Fall, sollten wir sehr genau überlegen, ob wir diesen arroganten Politikern unser aller Wasser weiterhin anvertrauen können.
Ich vertrete die Ansicht, dass im gesamten BBT-Projekt Entschädigungen für jene, denen im wörtlichen Sinne das Wasser abgegraben wird, gar nicht vorgesehen sind. Den Geschädigten – so sehe ich es kommen – wird im Beschwerdefall einfach gesagt, das Wasser hätte ihnen sowieso nicht gehört und nun bräuchten sie auch keine Konzession für die Wasserableitung mehr. Da helfen auch die nebulösen Aussagen der BBT-Beobachtungsstelle in großformatigen Anzeigen nichts, in denen lang und breit über das Wasser-Monitoring berichtet wird, ohne dass gleichzeitig klar gestellt wird, was passiert, wenn das Wasser ausbleibt.
Und es geht ja nicht nur um das Trinkwasser. Was passiert, wenn ganze Bergrücken, z.B. im Wipptal verkarsten? Nicht auszumalen, welche Auswirkungen dies auf die Lebensräume und die Stabilität der steilen Gebirgshänge hätte.
Der Film überzeugt. Trotz verzeihlicher handwerklicher Ungenauigkeiten und einer mäßig guten Tonqualität werden die Anliegen der Bürgerinitiative „STOP BBT“ gut herausgearbeitet und viele unter die Haut gehende Informationen vermittelt.
Es bleibt zu hoffen, dass es den rührigen Aktivisten der Bürgerinitiative „STOP BBT Wiesen“ gelingt, auch die weiteren relevanten Aspekte bei der Bewertung des BBT-Projekts (vor allem die Verkehrspolitik, die Finanzierung und der Transportwahnsinn) in Filme umzusetzen und auch das Thema Luft in Zusammenhang mit der aktuellen Belastung aus dem LKW-Verkehr in Angriff zu nehmen. Das ist enorm viel Arbeit. Das Medium Film eignet sich aber wie kein zweites, um die Problemstellungen eingängig und – wie man gesehen hat – publikumswirksam aufzubereiten.








